Mein Aufenthalt bei “Urme de Bucurie”
Josephine – solivol Freiwillige in Rumänien von Sept. 2025 – März 2026
Ich bin Josephine, 19 Jahre alt, aus München und arbeite für insgesamt 6 Monate als Freiwillige in einem Tier Shelter in Cernavodǎ, mit dem Namen “Urme de Bucurie – Footprints of Joy”. Wir haben dort etwa 150 Hunde, 80 Pferde und Esel, 40 Katzen, ein Pony und einen Hasen :). Artefact Freiwillige unterstützen das Shelter Team in der Adoptionsabteilung und kümmern sich täglich um Aufgaben, wie: Hunde ausführen, Material zur Adoption sammeln oder Hunde miteinander zu sozialisieren. Zusammen mit meinem Mitbewohner teile ich mir ein sehr überdurchschnittliches Apartment im Zentrum von Cernavodă.
Ich möchte hier zeigen, wie die Reise eines Hundes von der Straße bis hin zu einem Zuhause durch unser Tier-Shelter führt.
Die meisten Hunde kommen nicht freiwillig zu uns. Sie werden am Straßenrand ausgesetzt – allein, verängstigt, oft in Boxen oder sogar Tüten. Unsere Mitarbeiter finden sie, bringen sie in Sicherheit und geben ihnen die erste Chance auf ein neues Leben.

Im Shelter angekommen, werden die Hunde zunächst gründlich untersucht und geimpft und müssen anschließend 14 Tage in Quarantäne bleiben. Diese Zeit verbringen sie in unseren Klinik-Räumen, die kühl und wenig einladend sind. Mitarbeiter dürfen sie nur in Schutzkleidung betreten. Für die Hunde ist diese Phase besonders schwer: kaum Kontakt, wenig Bewegung, viel Unsicherheit. Doch die Quarantäne ist notwendig, um Krankheiten einzudämmen und andere Hunde zu schützen.
Nach zwei langen Wochen dürfen sie endlich raus. Zum ersten Mal frische Luft, Auslauf, vorsichtige Nähe zu Menschen. Hunde ohne starke Ängste oder Aggressionen werden nun täglich ausgeführt. Gleichzeitig beginnen unsere italienischen Kolleginnen aus der Adoption-Abteilung, die Hunde kennenzulernen – ihre Ängste, ihre Stärken, ihre kleinen Eigenheiten. Danach ziehen die Hunde in einen neuen Bereich. Jetzt beginnt ein besonders wichtiger Schritt: die Sozialisierung.
Mit viel Geduld und Erfahrung – unterstützt durch externe Trainer oder unsere Kollegen – werden passende Hunde behutsam zusammengeführt. Das richtige Tempo ist entscheidend, denn jeder Fehler kann Vertrauen zerstören. Meist werden mehrere Kombinationen ausprobiert: jung mit alt, mutig mit schüchtern, sozial mit vorsichtig. Ziel ist es, dass die Hunde voneinander lernen und Sicherheit gewinnen.
Ist die Sozialisierung gelungen, ziehen die Hunde in den Bereich FOJ, den klassischen Teil des Shelters mit großen Gehegen. Aufgrund von Personalmangel können sie dort leider nur noch einmal pro Woche ausgeführt werden – ein Kompromiss, der uns selbst schwerfällt.
Parallel sammeln wir Fotos und Videos für ihre Adoption. Jedes Bild soll zeigen, wer dieser Hund wirklich ist – und Hoffnung wecken. Je nach Zielland, etwa Deutschland, Italien oder die Schweiz, gelten unterschiedliche Anforderungen. Ergänzt wird alles durch eine liebevolle Beschreibung ihres Wesens.
Sind alle Unterlagen vollständig, schicken wir die Akten an unsere Partner im Ausland. Oft reisen die Hunde zunächst in andere Shelter – eine lange, stressige Fahrt, aber mit einem Ziel: ein besseres Leben. Und irgendwann erreichen uns Nachrichten, Bilder oder Videos, die zeigen, wofür sich all das lohnt – Hunde, die endlich angekommen sind, geliebt werden und Teil einer Familie sein dürfen.

