Zwischen Kirchenburgen und Weihnachtsmärkten - mein Advent im Freiwilligendienst –
Anna – solivol Rumänien Freiwillige von Sept. 2025 bis März 2026
Hallo, ich heiße Anna und komme aus Stuttgart. Nach meinem Abitur habe ich mich dazu entschlossen, einen Freiwilligendienst mit Solivol zu machen, und lebe nun für ein halbes Jahr im kleinen Dorf Seligstadt in Rumänien. Besonders die Weihnachtszeit hier vor Ort zu erleben – weit weg von zu Hause – war für mich eine sehr prägende Erfahrung, da ich eine ganz andere Art der Vorweihnachtszeit kennenlernen durfte.
Die Adventszeit hier in Transsilvanien war für mich vor allem von den Weihnachtsmärkten geprägt, die in vielen umliegenden Dörfern stattfanden. Diese Märkte werden meist rund um die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen organisiert, einer deutschen Minderheit, die im Mittelalter nach Rumänien kam. Die Kirchenburgen bieten dabei nicht nur eine beeindruckende Kulisse, sondern auch einen besonderen Ort des Zusammenkommens.
Auch meine Partnerorganisation, das Jugendzentrum Seligstadt/Bekokten, nahm unter anderem an den Weihnachtsmärkten in Agnetheln und Holzmengen teil. Ziel war es, das Jugendzentrum sowie die dort angebotenen Workshops und Freizeitangebote vorzustellen und bekannter zu machen. Zu diesem Anlass begannen wir bereits Wochen im Voraus mit den Vorbereitungen, denn der Hauptbestandteil unseres Standes war ein Nachhaltigkeitsprojekt rund um das Plastikrecycling.
In der Plastikwerkstatt in Bekokten wird weggeworfenes Plastik gesammelt, gewaschen und nach Material sortiert. Anschließend wird es zu kleinen Schnipseln zerkleinert und in einer speziellen Presse eingeschmolzen. Das geschmolzene Plastik wird danach in Formen gepresst. So entstehen neue Gegenstände wie Lineale, Schlüsselanhänger, Kreisel, Schalen und – passend zur Jahreszeit – auch Christbaumanhänger. Da dieser Workshop Teil des Angebots im Jugendzentrum ist, nahmen wir die Presse direkt mit auf den Weihnachtsmarkt. Die Kinder konnten so vor Ort miterleben, wie Recycling ganz praktisch funktioniert.
Neben der Vorproduktion von Christbaumanhängern, Schalen und Kreiseln nähten wir außerdem kleine Säckchen aus Stoffresten für die Produkte – auch wenn uns die alten Nähmaschinen dabei den ein oder anderen Nerv raubten.
Gemeinsam mit den Küchendamen aus Bekokten starteten wir außerdem eine Weihnachtsbäckerei und backten Cornuleț, kleine Weihnachtshörnchen, die wir an die Besucherinnen und Besucher der Weihnachtsmärkte verteilten.
Die Weihnachtsmärkte in Agnetheln und Holzmengen waren für mich besonders eindrucksvoll, da sie trotz der winterlichen Kälte eine warme und offene Atmosphäre schufen, die die Weihnachtsstimmung förmlich greifbar machte. Viele Menschen zeigten großes Interesse an unseren Projekten und stellten neugierig Fragen. Gleichzeitig lernten wir viel über die Kultur und Traditionen in Transsilvanien.
Gerade diese persönlichen Begegnungen machten die Weihnachtsmärkte für mich zu einem ganz besonderen Weihnachtserlebnis.
